Weltgeschichte
1.1.: Die EU Europäische Union tritt mit Einführung der
gemeinsamen Währung (für elf Mitgliedsländer, bis einschließlich
2001 eingeschränkt auf bargeldlose Transaktionen) und Gründung
der EZB Europäischen Zentralbank in die dritte und letzte Stufe
der WWU Wirtschafts- und Währungsunion ein.
In den USA wird am 12.2./13.2. das "Impeachement"-Amtsenthebungsverfahren
gegen US-Präsident Clinton wegen der "Monicagate"-Sexaffäre
mit seinem Freispruch vor dem Senat eingestellt und die mehr als
einjährige Regierungskrise beendet.
Am 1.3. tritt der UN-Vertrag über das Verbot von Landminen in
Kraft.
Polen, Ungarn und Tschechien werden am 12.3. in die NATO
aufgenommen.
Am 24.3. beginnen die NATO-Staaten mit Beteiligung der BRD einen
Angriffs-Luftkrieg gegen die im Kosovo genozidmäßig vorgehenden
Serben und damit auch gegen Restjugoslawien. Der von der UNO
nicht sanktionierte Krieg muß zwar als völkerrechtswidrig
bezeichnet werden, war aber vermutlich nach dem Scheitern der
Kosovo-Konferenz vom Beginn des Monats politisch unvermeidbar
geworden. Da keine Bodentruppen eingesetzt werden, verstärken
die Serben ungehindert die Terrorisierung und massive und
massenhafte Vertreibung volksstämmiger Albaner aus dem
Krisengebiet in die Nachbarstaaten bzw. deren Ermordung direkt
vor Ort. Nachdem die Kampfhandlungen im Sommer eingestellt
wurden, werden nunmehr die kosovaner Serben von den zurückkehrenden
Albanern aus der Region vertrieben. "Zwischen die Stühle"
sind die Roma Kosovos geraten, denen Kollaboration mit den
kosovaner Serben angelastet wird. Wie vorausgesagt, sieht sich
die erst im August operativ wirksam werdende NATO-Polizeitruppe
außerstande, das teilweise selbst verschuldete Balkan-Chaos in
den Griff zu bekommen.
Die Krise im balkanischen Kosovo überdeckt mehrere Luftangriffe
der USA auf den Irak wegen Verletzung der Lufthoheit in den für
irakischen Luftverkehr gesperrten Sektoren im Norden und Süden
des Landes.
In den USA beschuldigen etwa 300´000 Indianer die Regierung der
Mißwirtschaft an treuhänderisch verwaltetem Indianerterritorium
und beziffern den durch Korruption und Betrug hinterzogenen
Verlust in einer Sammelklage auf etwa 10 mrd US $.
Die Türkei wird Ende August von einem der schwersten Erdbeben
der europäischen Geschichte mit mehreren Nachbeben heimgesucht.
Wegen verbreiteter Korruption im türkischen Bauwesen stürzen
weit mehr Gebäude zusammen als technisch begründbar. Insgesamt
dürfte die Zahl der Opfer bei über 40,000 Toten liegen.
In Kolumbien beginnen im Januar Verhandlungen zwischen der
Regierung und dem seit 35 Jahren im Urwald verborgen lebenden
Guerillaführer Manuel Maralunda, der 1949 die ersten Revolutionäre
um sich sammelte und damit "dienstältester Revolutionär"
der Welt ist.
Der Chef der PKK Arbeiterpartei Kurdistans, Abdullah Öcalan,
wird am 15.2. von der Türkei in einer geheimen Operation aus
seinem kenianischen Exil in Nairobi entführt und in der Türkei
am 29.6. zum Tode verurteilt.
Alle 20 Mitglieder der von Jaques Santer geführten EU-Kommission
treten am 16.3. nach Vorwürfen der Korruption und Mißwirtschaft
geschlossen zurück.
In Israel gewinnt im März erstmals eine Araberin den Schönheitswettbewerb
zur "Miss Israel". Die Parlamentswahlen dagegen gewinnt
die Opposition am 17.5. unter Ehud Barak, der den Hardliner
Netanyahu ablöst und unverzüglich den Friedensprozeß in Nahost
wieder in Gang setzt.
Im September eskalieren die Spannungen zwischen Indonesien und
dem nach Unabhängigkeit strebenden Ost-Timor in genozidähnliche
Übergriffe indonesischer Militärs.
Gegen verhaltenen internationalen Protest nimmt Rußland den
Krieg in Tschetschenien in aller Härte neu auf.
Die an der Südküste des Landes liegende Halbinsel Macao, seit
1557 portugiesisches Überseegebiet, fällt am 19.12. an China
zurück.
Am 31.12. erklärt der russische Präsident Boris Jelzin seinen Rücktritt
und übergibt die Amtsgeschäfte noch an demselben Tag an seinen
designierten Nachfolger Wladimir Putin, der sich im Folgejahr zur
Wahl stellen muß.
Kunst-,
Kultur- und Technikgeschichte
Die Weltbevölkerung übersteigt (offiziell am 12.10.) die 6-Millarden-Marke.
Am 11.3. kommt es zu einem historischen Treffen zwischen Papst
Johannes Paul II. und dem iranischen Staatspräsidenten Mohammed
Khatami.
Das von der Kanadierin Louise Arbor geleitete UN-Kriegsverbrechertribunal
gewinnt nach Jahren eines "Dornröschendaseins"
zunehmend an internationaler Bedeutung und erzielt im
Wesentlichen durch ihren persönlichen engagierten Einsatz
zunehmend Erfolge bei der namentlichen Anklage und
internationalen Verfolgung von Schwerverbrechern gegen
Menschenrechte und die Menschlichkeit.
Am 11.8. zieht eine totale Sonnenfinsternis entlang der Achse
Straßburg-Ulm-Starnberg-Salzburg Hunderttausende von
schaulustigen Tagestouristen in ihren nur 12 km breiten Bann. Der
Rückreiseverkehr führt zu einem kurzfristigen Verkehrsstau von
200 km Länge.
Weil Bauarbeiter ein Werkzeug nicht aufgeräumt hatten, stürzt
am 12.4. die Wuppertaler Schwebebahn ab und beendet mit 5
Todesopfern und 45 Verletzten den in etwa 100 Jahren begründeten
Ruf, das sicherste Verkehrsmittel der Welt zu sein.
Am 24.3. kommen über 40 Menschen bei einer Brandkatastrophe im
privat betriebenen Montblanc-Tunnel ums Leben, weil sich die aus
den 60er Jahren stammenden Sicherheitseinrichtungen als
unzureichend erweisen. Etwa zwei Monate später kommen am 29.5.
beim Brand des Tauern-Tunnels 12 Menschen ums Leben.
Die erste Ballonfahrt rund um die Erde wird am 21.3. unter Führung
von Bertrand Piccard erfolgreich beendet.
Die amerikanischen Pixar Studios fahren mit dem mit nur 70 mio $
produzierten vollständig computer-animierten Film "A Bug´s
Life" über 135 mio $ an den Kinokassen ein. Die Fortsetzung
der Filmtrilogie "Star Wars" von George Lucas kommt in
die Kinos und macht allein im Merchandising mehr Umsatz als jeder
Filmtitel vorher. Zur erfolgreichen Simulation von
Dinosaurierstimmen mittels Virtual Reality setzen Paläontologen
des Sandia National Laboratory in New Mexico erstmals
computertomographische Analysen eines fast 2 Meter langen
kammbewehrten Parasaurolophus-Schädels ein. Ab dem 26.3. sorgt
der Computer-Virus "Melissa" für weltweites Chaos bei
Internet-angeschlossenen Datensystemen.
Das russische Verfassungsgericht entscheidet am 18.7., daß die
"Beutekunst" des Zweiten Weltkrieges überwiegend
russisches Eigentum sei und nicht zurück gegeben werde.
Am 29.8. verläßt die letzte Kosmonautenbesatzung die
Raumstation MIR, die damit seit 10 Jahren erstmals unbemannt ist.
Die beiden deutschen Tennis-Profis und Ausnahmespieler Steffi
Graf und Boris Becker geben ihren Rücktritt bekannt.
Nobelpreisträger: Die 1971 in Frankreich gegründete
Hilfsorganisation "Ärzte ohne Grenzen" (Frieden); der
deutsche Schriftsteller Günter Grass (Literatur); der deutsch-amerikanische
Proteinforscher Günter Blobel (Medizin); die Niederländer
Gerardus ´t Hooft und Martinus J.G. Veltmann (Physik); der ägyptisch-amerikanische
Erfinder der reaktions-schnellsten Kamera der Welt, Ahmed H.
Zewail (Chemie); der US-Amerikaner Robert A. Mundel (Wirtschaftswissenschaften).
Der Potsdamer Klimaforscher Stefan Rahmstorf erhält im April als
einer von weltweit 10 Wissenschaftlern den "Jahrhundertpreis"
der amerikanischen James-S.-McDonell-Stiftung für seine
bahnbrechenden Arbeiten zum Klimamodell des Golfstroms. Der Preis
ist höher dotiert als ein Nobelpreis und wurde überhaupt zum
ersten Mal vergeben.
Gestorben: 2.1.(in Berlin): Der Publizist Sebastian Haffner (*27.12.1907,
in Berlin); 2.1.(in Paris): der schweizer Komponist und
Opernintendant Rolf Liebermann (*14.9.1910, in Bern); 6.1.: der
italienische Jazz-Pianist Michael Petrucciani; 7.2..(in Amman):
der jordanische König (seit 1952) Hussein I. Ibn Talal; 7.3.:
der amerikanische Filmregisseur Stanley Kubrick (*1928): 12.3.:
der Violin-Virtuose und Dirigent Lord Yehudi Menuhin (*22.4.1916,
in New York); 13.4.(in Berlin): der ehemalige Ministerpräsident
der DDR Willi Stoph (*9.7.1914, in Berlin); 13.8.(in Frankfurt am
Main): der Vorsitzende des Zentralrates der Juden in Deutschland,
Ignatz Bubis (*12.1.1927, in Breslau).
Deutsche
Geschichte
11.3.: Bundesfinanzminister Oskar Lafontaine legt überraschend
alle politischen Ämter nieder als Konsequenz aus seinem Zerwürfnisses
mit Bundeskanzler Schröder. Hans Eichel wird am 12.4. neuer
Bundesfinanzminister.
Am 19.4. wird mit Eröffnung des Reichstages Berlin auch de facto
die Hauptstadt der Bundesrepublik Deutschland. Nach Umzug von
Bonn in die neue Hauptstadt wird der reguläre Bundestagsbetrieb
am 6.9. in Berlin aufgenommen. Die Ressorts Verteidigung,
Landwirtschaft, Bildung, Umweltschutz und Forschung verbleiben
vorläufig in der "Bundesstadt" Bonn.
Der SPD-Politiker und langjährige Ministerpräsident von NRW,
Johannes Rau, wird am 23.5. durch die Bundesversammlung im
zweiten Wahlgang zum neuen Bundespräsidenten gewählt und am 1.7.
vereidigt.
Die 1989 ins deutsche Strafrecht befristet eingeführte
Kronzeugenregelung bei terroristischen Straftaten läuft in
diesem Jahr aus.
Das thüringische Weimar wird am 19.2. diesjährige "Kulturstadt
Europas". Höhepunkt der etwa 300 übers Jahr verteilten
Veranstaltungen sind am 28.8. die Feiern zum 250. Geburtstag von
Johann Wolfgang von Goethe.
Der ehemalige Bundeskanzler und CDU-Vorsitzende Helmut Kohl gerät
wegen einer Parteispenden- und Waffenhandels-Affäre in
Millionenhöhe unter Druck. Zur Aufdeckung der Sachverhalte wird
ein parlamentarischer Untersuchungsausschuß eingesetzt.
Im jahrelangen Streit zwischen US-amerikanischen Klägergruppen,
den Regierungen der USA und Deutschlands und der deutschen
Industrie um Entschädigungszahlungen für Zwangsarbeit während
der Nazi-Zeit einigen sich die Parteien auf eine Entschädigungshöhe
von 10 mrd DM. Die deutsche Wirtschaft und die Bundesregierung
wollen je 5 mrd DM in einen Entschädigungsfond einzahlen.
Insbesondere in den neuen Bundesländern nimmt der
Rechtsradikalismus in Deutschland zu.
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