Unsere einzigartige
Brasilienreise |
möchte ich wie folgt zusammenfassen |
| An erster Stelle möchten
wir, Hildegard und ich, uns bei unserem Freund Professor
Valberto Dirksen aus Florianópolis
für die Einladung und Organisation unserer Reise von
ganzem Herzen bedanken. An zweiter Stelle möchte ich meiner Hildegard danken, daß sie die wichtigen Ereignisse an jedem Urlaubstag festgehalten hat. Es wäre aus dem Gedächtnis heraus nicht möglich gewesen, einen Reisebericht in dieser chronologischen Reihenfolge aufzuschreiben. Dank gebührt auch unserer Tochter Sabina, die als geübte Sekretärin den Text des Tagebuches erst einmal ohne Wenn und Aber mit dem PC als Rohfassung aufgenommen hat. Wir haben versucht, unsere Reise und unsere Empfindungen in einer leicht lesbaren Art darzustellen. Ich hoffe, daß es uns gelungen ist. Hildegard und ich bereisten fünfmal gemeinsam die USA. Jede Reise hatte ihren Reiz und ihre ganz besonderen Erlebnisse, die man nicht vergißt. Die Brasilienreise war durch anders gesetzte Akzente so erlebnisreich und übertraf unsere Erwartungen. Wir danken Gott und allen, die unsere Reise mitgestaltet und in irgendeiner Weise mitgewirkt haben. Die Teilnahme an der Goldhochzeit von Nilsa und Emilio Berkenbrock mit über 500 Gästen war einer der großen Höhepunkte unserer Reise. Natürlich waren die Empfänge bei Bischof Tito Buss in Rio do Sul und bei Bischof Vito Schlickmann in Florianópolis für uns unvergeßliche Ereignisse. Die Liebenswürdigkeit, Gastfreundschaft, Zuneigung und Bescheidenheit der Menschen, die wir kennengelernt haben, werden wir nie vergessen. Auch hat uns die tief religiöse Lebenseinstellung der Menschen beeindruckt. Sehr viele Menschen erhoffen sich Hilfe und Stärkung im Glauben an Gott. Das persönliche Kennenlernen unter Gleichgesinnten gibt uns noch mehr Motivation, die gesteckten Ziele in der Auswandererforschung gemeinsam zu erreichen. Der Leser kann mich sicher verstehen, daß ich mich bei den deutschstämmigen Brasilianern als Botschafter fühlte. Das sehr große Interesse der brasilianischen Nachfahren der Auswanderer des 19. Jahrhunderts, die Wurzeln ihrer Herkunft in Deutschland kennenzulernen, gab mir die Bestätigung, daß unsere Forschergruppe seit vielen Jahren das Richtige tut und erfolgreich arbeitet. Ich möchte mich an dieser Stelle auch für die Hilfe der brasilianischen Forschergruppe recht herzlich bedanken. Nur gemeinsam erreichen wir unsere Zielsetzung. Es war uns ein großes Bedürfnis den liebenswerten Gastgebern, die ihr Fahrzeug, den Sprit und ihre Freizeit für uns zur Verfügung stellten, den Imbiß bei einer Rast zu begleichen. Es ist uns fast immer gelungen. Wir waren erstaunt, daß die Lebenshaltungskosten, speziell für Speisen und Getränke, sehr niedrig sind, obschon der Real, unserer DM fast gleichwertig ist. Zum Vergleich mit unseren Preisen in der Gastronomie haben wir die Zahlungen schriftlich festgehalten. Wir waren auch fasziniert über den noch lebendigen plattdeutschen Sprachgebrauch im brasilianischen Münsterland. Die wunderbare münsterländische Mundart hat sich über fünf Generationen ohne Einflüsse der portugiesischen Landessprache erhalten. Wir hörten uralte plattdeutsche Redewendungen, die hier im deutschen Kernmünsterland schon verschlissen oder verloren gegangen sind. Wir stellten jedoch fest, daß sich in den Generationsfolgen nach der Auswanderung nur das Klei-Plattdeutsch des Kernmünsterlandes durchgesetzt hat. Den Dialekt vom Sand-Plattdeutsch des Westmünsterlandes haben wir bei unseren Gesprächen nicht herausgehört. Wir erfuhren z. B, daß den Ärzten im brasilianischen Münsterland" grundsätzlich eine plattdeutsch sprechende Sprechstundenhilfe zur Seite steht, sofern der jeweilige Arzt nicht selbst unsere Mundart beherrscht. Was uns interessant erschien, war folgende Redewendung, die im 19. und 20. Jahrhundert in Brasilien gebräuchlich war und heute noch ist. Wenn von Deutschland gesprochen wurde oder gesprochen wird, sagt man: Der kommt von drüben. Unweit von São Martinho liegt ein sehr kleiner Ort mit dem Namen Alemanha (Deutschland). Wenn Einwohner aus dem brasilianischen Münsterland" eine Stippvisite in dem kleinem Ort gemacht hatten, sagten sie mit verschmitztem Stolz: Wir waren drüben. In gemütlicher Runde war es üblich, in einem großem Glas einen Drink in unterschiedlicher Zusammensetzung, sehr oft mit Zuckerrohrschnaps, zu mixen. Dieses gefüllte Glas machte dann seine gesellige Runde. Valberto erzählte, ein unwissender Gastdozent hätte den Inhalt des gefüllten Glases als sein eigen betrachtet und es bis auf den Grund ausgetrunken. Der Vortrag hätte dann nicht mehr stattgefunden, er sei ins Wasser (Schnaps) gefallen. Bei den meisten Kolonisten war der Anbau von Zuckerrohr, der in Zuckerfabriken verarbeitet wurde, bis vor ca. 20 Jahren die Haupterwerbsquelle. Nachdem der Import von Zucker aus Kuba preiswerter war, kam für die Kolonisten diese Einnahmequelle zum Erliegen. Ein großer Prozentsatz der Kolonisten im brasilianischen Münsterland baut Tabak an. Es ist zur Zeit eine sichere Einnahmequelle, weil der Endpreis des geernteten, getrockneten Tabaks bei der Pflanzung schon feststeht. In den hohen Trockenspeichern wird heute überwiegend mit Trocknungsautomaten die Temperatur und Luftfeuchtigkeit für den Reifeprozeß des Tabaks reguliert. Bei der herkömmlichen manuellen Trocknung waren großes Fachwissen und Erfahrungswerte der Kolonisten in der Reifephase gefragt. Die offene Feuerstelle mußte Tag und Nacht befeuert und beobachtet werden, damit die Temperatur im Trockenraum konstant blieb. Die Kolonisten haben ihr Nachtlager in der Zeit des Trocknunsprozesses oft im Speicher neben der Feuerstelle aufgeschlagen, um in erforderlichen Zeitabständen Brennmaterial nachzulegen. Auf die Favelas möchten wir, ohne eine tiefgreifende Untersuchung durchzuführen, wie folgt hinweisen. Wir sahen hauptsächlich in Florianópolis kilometerweit links und rechts der großen Ausfallstraßen erbärmliche menschliche Behausungen, die in Brasilien Favelas genannt werden. Aus allen Gegenständen des Sperrmülls werden über Nacht, natürlich ohne Bauerlaubnis, in Gemeinschaftsarbeit für unsere Begriffe mehr als unwürdige Unterkünfte errichtet, im krassen Gegensatz zu der wunderbaren Silhouette der Stadt Florianópolis mit der überdurchschnittlich menschlichen Wohnkultur. Der Stadt sind die illegalen Besetzungen der städtischen Grundstücke entlang der Straßen ein Dorn im Auge. Wenn am Tag die Hütten im städtischem Auftrag durch Raupenfahrzeuge entfernt werden, entstehen in der Nacht wieder unerwünschte neue Behausungen. Die Stadt hat große Wohnblocks mit einem geringen Mietzins für die Minderbemittelten errichtet, um sie durch Umsiedlung wieder in die Gesellschaft einzugliedern. Ein großer Teil der Favelasbewohner verschmäht die bessere Wohnkultur und zieht das menschenunwürdige Leben in den Hütten vor. Viele Favelasbewohner und deren Vorfahren sind in dieses Milieu hinein geboren worden und wollen nicht bedauert werden. Es ist für uns nicht vorstellbar, daß ein gesunder, charakterfester Bürger aus der Mittelschicht so in das untere asoziale Umfeld abgleiten kann. In Brasilien steht der Ausspruch der legendären drei V für Vergessen, verhaßt, verehrt, er hat mich sehr nachdenklich gestimmt und ich fragte nach dem Hintergrund dieser Aussage in Brasilien. Vergessen: Man sagte mir, dass die deutschen Kolonisten nach der Einwanderung im 19. Jahrhundert und der Zuteilung ihrer zugedachten Urwaldflächen von der brasilianischen Regierung alleingelassen wurden. Man glaubte wohl, dass die Zielstrebigkeit, der Fleiß und der ungebrochene Wille der Deutschen, aus dieser Pionierarbeit das Beste für sich und die kommenden Generationen zu machen, genug Voraussetzungen für einen neuen Lebensabschnitt waren. Verhaßt:
Die Brasilianer deutscher Herkunft waren im Ersten wie
auch im Zweiten Weltkrieg dauernden Repressalien durch
die brasilianische Regierung ausgesetzt. Die
deutsche Sprache, ihre Bräuche und die Pflege des
kulturellen Lebens wurden mit Gewalt und drastischen
Strafen unterbunden. Ergänzend hierzu ein kleiner
Bericht von Martin Gesler in der Tageszeitung der FAZ (Frankfurter-Allgemeinen-Zeitung)
vom 22. Juli 1987 Erst vergessen, dann
verfolgt und jetzt bestaunt gibt ein anschauliches
Bild über die Zeit der Angst, der Bespitzelung und Demütigung
der deutschstämmigen Brasilianer.
Ende der dreißiger Jahre wurden die Pommeroder dann von
der großen Politik eingeholt. Mit Dekret 7614 schrieb
der von einem einheitlichen Nationalvolk träumende
Diktator Getulio Vargas die portugiesische Sprache auch für
die fremden Schulen und Vereine vor. Als
Brasilien 1942 den Achsenmächten den Krieg erklärte,
wurde sogar die deutsche Sprache verboten. Das führte
dazu, dass sich Hans und Fritz in den Schulpausen
anschwiegen und Mütter ihren Kindern in der Straßenbahn
den Mund zuhielten, wenn sie statt des vorgeschriebenen
mamác Mutti riefen. Ein alter
Pommeroder erzählt sogar, sein Vater sei mehrfach einen
halben Tag eingesperrt worden, weil er mit seinen Pferden
deutsch gesprochen habe. Deutsche Namen verschwanden von
der Landkarte oder von den Vereinsregistern, deutsche
Dokumente wurden in Kisten versteckt. Aus Pommerode wurde
Rio do Testo. Als Pommeroder schließlich wieder
pommersch reden durften, war von den auf den
Gemeindeboden ausgelagerten Gemeindepapieren nur ein
feuchter Klumpen übrig geblieben. So kommt es, dass die
Zeit vor 1924 für Pastor Liesenberg und seine Pommeroder
heute ein nicht mehr zu klärendes Geheimnis
ist. Anfangs hatten die vor sich hin wühlenden teutos
nicht die Muße zurückzuschauen. Dann wurde ihnen ihre
Geschichte genommen. Die vergangenen Jahrzehnte haben
indes gezeigt, dass mit den Verboten und Verfolgungen
eine ohnehin unausweichliche Entwicklung lediglich
forciert wurde. Verehrt:
Die geistige Wiedereingliederung der deutschstämmigen
Brasilianer fand in wachsendem Maße nach dem Zweiten
Weltkrieg statt. Das Erbgut der Tugenden, das sie von
ihren eingewanderten Ahneltern bewahrt hatten, half den
Deutschbrasilianern zur Anerkennung ihrer Leistungen und
zur Ehre. Der
Regisseur unserer Reise, Valberto Dirksen, hat sehr
umsichtig jeden Urlaubstag mit den erforderlichen
Ruhepausen geplant. Wir ließen uns von den Ereignissen,
Überraschungen und den Höhepunkten einfach treiben.
Hildegard und ich, wir möchten uns bei allen in
Brasilien, die wir während der drei Wochen kennenlernten,
für ihre Aufgeschlossenheit und Wärme recht herzlich
bedanken. Wenn man die Brasilianer näher kennengelernt
hat, dann hat man sie einfach gern. Wir und die übrigen
Mitglieder der Arbeitsgruppe Münsterländische
Brasilienauswanderer, Alfred Efting aus Dorsten,
Norbert Henkelmann aus Münster und Ingrid Seliger aus
Rosendahl-Osterwick, wünschen allen Nachfahren der nach
Brasilien ausgewanderten münsterländischen Familien und
allen, die wir stellvertretend in Brasilien näher
kennenlernen durften, alles erdenklich Gute. Den
Lesern in Brasilien und im Regierungsbezirk Münster (Deutschland)
bitte ich, mir Kenntnis darüber zu geben, wenn eine
Auswanderung nach Brasilien aus der Familie oder aus dem
Freundeskreis bekannt ist. Wenn uns Auswandererbriefe zur
Auswertung zur Verfügung gestellt würden, wäre unsere
Arbeitsgruppe sehr dankbar. Wenn gemeldete Auswanderungen
von uns schon erfaßt sind, dann sind oft zusätzlich
gelieferte Informationen wertvolle Forschungshilfen. Martin Holz.
Im Namen der Arbeitsgruppe
Elsen
18 Münsterländische
Brasilienauswanderer D-48720
Rosendahl
Mail: martin-holz@t-online.de Die fett-
kursiv unterstrichenen Wörter sind Links
für Internetseiten welche per Mausklick aufgerufen
werden können. Kreis
Coesfeld: (http://www.coesfeld.de/homepage.htm)
Rosendahl (www.rosendahl.de)
Infoseite für Mormonendatenbank (www.familysearch.org)
Westf. Gesellschaft für Genealogie und Familienforschung
(http://www.westfalengen.de)
Geschichtliche Territorien Nordrhein-Westfalens im Jahre
1789 (http://www.nrw-geschichte.de/)
Ortsfinder und Routenplaner (http://www.mapquest.com)
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Ausführlicher Reisebericht -
Unsere
Brasilienreise vom
10. 10. bis 01. 11. 1999 |